Dezember-Brief

Dezember 2025

Guten Morgen,

der 1. Advent liegt hinter uns und langsam beginnen sich die Türchen des Adventskalenders zu öffnen. Wichtel, Weihnachtsmänner oder andere mythische Wesen besuchen die Kinder und beschenken sie. Es gibt kaum eine vergleichbar emotional aufgeladene Zeit im Jahr. „Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle / schöne Blumen der Vergangenheit“, heißt es in einem Weihnachtsgedicht von Joachim Ringelnatz. Leider gilt dies nicht immer und für alle. Nicht umsonst ist Weihnachten für eine Reihe von Menschen emotional hochbelastend.

Durch meine Mitarbeit im Erasmus+-Projekt „Achtsam Lehren und Lernen – Emotionale Sicherheit an Schulen (ALLES)“ war 2025 ein Jahr, in dem ich mich mehr als sonst mit Fragen psychischer Gesundheit und emotionaler Sicherheit beschäftigt habe. Wenn man das tut, gerät man an erschreckende Aspekte schulischer Wirklichkeit: Fast jede fünfte Schülerin, jeder fünfte Schüler ist mit einem Elternteil konfrontiert, das an einer psychischen Erkrankung leidet. Diese Kinder und Jugendlichen haben ein mindestens dreifach so hohes Risiko im Vergleich zu nicht betroffenen Schülerinnen und Schülern, selbst psychisch zu erkranken.

Psychische Gesundheit ist aber keine Problematik, die alle gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen betrifft; sie ist auch eine soziale Frage. Die Folgen der Armut treffen Kinder schon vor ihrer Geburt: Unter Armutsbedingungen schwangere Frauen haben ein größeres Risiko für Mangelernährung, Anämien, Präeklampsie und Fehlgeburten. Sie erleben multiple Stresssituationen und haben weniger Ressourcen, um mit diesen vielfältigen Belastungen umzugehen. Zusätzlich sind sie durch ihre Lebens- und Wohnumwelt vielen nachteiligen Umweltbelastungen ausgesetzt. Die Feststellung, dass die Problematik psychischer Gesundheit Schulen in sozialen Brennpunkten gut doppelt so stark betrifft wie Schulen in sozialen Wohlstandsorten, verwundert auch daher nicht.

Die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel ist auch die Zeit der guten Wünsche und Vorsätze. Ich würde mich freuen, wenn einer Ihrer Vorsätze werden würde, sich einmal die Homepage des Kidstime-Netzwerkes „kids in mind“ anzugucken: https://kidstime-netzwerk.de/kim/

Vielleicht finden Sie ja 2026 Gelegenheit, in irgendeiner Weise dazu beizutragen, dass sich Schulen, auf die Sie Einfluss nehmen können, mit offenerem Herzen und guten pädagogischen Ideen diesen Herausforderungen für den schulischen Alltag annehmen. 

Eine schöne Zeit und einen guten Start ins Neue Jahr 

wünscht Ihnen

Joachim Wolff