Liebe Leserinnen und Leser,
warum fällt die Entwicklung inklusiver Schulpraxis oft so schwer? Diese Frage beschäftigt mich seit langem. Ich glaube nicht, dass die Lösung in wiederkehrenden Beschreibungen der aussondernden Struktur des deutschen Schulwesens (siehe auch meinen Brief vom November 2025) besteht. Auch nicht in Appellen an die Haltung der Beschäftigten. Das hat mich bewogen, das System Schule und insbesondere die in ihm tätigen Erwachsenen genauer zu betrachten.
Wandel braucht Kraft.
Für den Aufbau von Schulen der grundsätzlichen Verschiedenheit werden Lehrkräfte benötigt, die an ihre Selbstwirksamkeit glauben und Vertrauen in ihre eigenen Kräfte haben. Doch wie entstehen solche Handlungskompetenzen? Über 40 % der Lehrkräfte berichten, dass ihre größte Arbeitsbelastung im Umgang mit herausforderndem Schülerverhalten liegt. Da ist leicht vorstellbar, wie sich Unterricht zum täglichen „Grabenkrieg“ entwickeln kann. Gleichzeitig zählt für ein Drittel der Lehrkräfte auch die Arbeitsbelastung und der Zeitmangel zu den größten Herausforderungen. Wer ohne Zeit im „Grabenkrieg“ feststeckt, hat keine Kraft für Veränderung. Da erstaunt es nicht, dass kaum noch pädagogische Fachabteilungen in Buchhandlungen gibt.
Die Veränderung der Arbeitszeitbestimmungen für Lehrkräfte erfordert längst keine Begründung mehr. Trotzdem wird die Überwindung von Regularien, die seit über 150 Jahren fast unverändert gelten, Zeit brauchen. Die Menschen in den Schulen benötigen aber sofort praktikable Lösungen.
Wir müssen die Art, wie in den Schulen gearbeitet wird, radikal neu denken.
Positive Beziehungen und kooperative Arbeitsformen fördern die Resilienz aller Beteiligten. Solche Dinge stärken die Arbeitszufriedenheit und verbessern die Stressbewältigung. Das ist kein Luxus, sondern die grundlegende Basis für gelingende Schulentwicklung. Lehrkräftearbeit muss sich endlich wegbewegen von der mittelalterlichen Handwerksarbeit, in der jedes Werkstück, jede Unterrichtsstunde, ein Unikat ist. Arbeitsteilung und systematische Zusammenarbeit sind wirksame Schlüssel, um die Traditionen eines aussondernden Schulsystems zu überwinden.
Was ist Ihre Meinung?
Was können wir schon heute tun, um einen solchen Wandel zu initiieren? Wo erleben Sie bereits jetzt neue Formen der Zusammenarbeit? Welche Idee hat Sie zuletzt wirklich entlastet? Ich lade Sie herzlich ein, Ihre Gedanken, Fragen oder auch kritischen Anmerkungen mit mir zu teilen. Jede Rückmeldung ist eine wertvolle Anregung. Schreiben Sie mir gern unter:
info@abenteur-schulentwicklung.de
Bleiben Sie neugierig und engagiert – für eine Schule der selbstverständlichen Verschiedenheit.
Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen
Ihr
Joachim Wolff
